Rückblick: wie wart ihr auf den 31.12.1999 vorbereitet ?

  • Die Frage richtet sich vor allem auf die Oldies hier im Forum, die 1999 schon berufstätig waren: gab es zu Silvester 1999 bei euch Befürchtungen bzw. Vorsorgemaßnahmen ?

    Zufällig [hüstel] habe ich am Sonntag eine Uralt-Folge von "Traumschiff" geguckt: die üblichem Herz-Schmerz-Schmalz-schönen Landschaftsaufnahmen. Es fand auf dem Schiff auch der Jahreswechsel 1999/2000 statt.

    Neben der Wehmut über die damaligen unbeschwerten Silvesterfeiern wurde mir bewusst, dass ein Urkeim des "Vorsorgens" offenbar schon seit über zwanzig Jahren in mir schlummert: Es gab 1999 die (nicht ganz unberechtigte Sorge), dass die damals verwendeten EDV-Programme (="Apps" auf Großrechnern - PCs gabs noch nicht) reihenweise und weltweit zum Millenniumswechsel abstürzen würden mit Blackouts und auch Lahmlegen der gesamte Wirtschaft.

    Warum dies ? Wegen einer in den Jahrzehnten zuvor häufig unbekümmert angewandten Programmierweise ! Zur Erklärung: Großrechner wurden mit behäbigen Programmiersprachen (Cobol, Fortran, PL1...) gefüttert, damit sie diverse Aufgaben (Speichern, Rechnen, Auswerten, Sortieren, usw.) erledigen. Damals musste man oft für Rechenvariablen auch den Speicherplatz vorab definieren - also zum Beispiel das Datumsfeld mit TT.MM.JJJJ. Mit "Datum" wird vor allem im Finanzwesen häufig gerechnet, (Anzahl der Tage für die Zinsenrechnung).

    Ganz "schlaue" Programmierer reduzierten das "JJJJ" auf "JJ, und sparten so Ende der Sechziger Jahre Speicherplatz für "19".

    Ich WAR genau so eine Schlaumeierin gewesen und obwohl ich Ende 1999 nicht mehr programmierte, hatte ich eine lebhafte Vorstellung davon, was weltweit zu Silvester passieren könnte. Zum Glück für die Welt waren fast alle EDV-Programme rechtzeitig von "JJ" auf "JJJJ" umgestellt worden und nichts Gröberes geschah.

    Zippygirl hatte sich doch tatsächlich bereits damals ernsthaft auf einen Blackout vorbereitet :saint:. Ich war richtig erleichtert, als das Fernsehen KEIN Blackout irgendwo zeigte.

    (und -Gott sei Dank - hatte in der Bank wohl irgendwer auch meine damals geschriebenen Programme rechtzeitig umgestellt)

    .... gibt das Leben dir eine Zitrone, mach' draus eine Limonade.

  • So ein Oldie bin ich auch. An besagter Silvesternacht war bei uns Bereitschaft im Büro angesagt. Aber außer einem CD Wechsler der den Dienst quittierte weil er mit dem Datum nicht mehr zu Rande gekommen ist, ist nichts passiert.


    Aber hey, Apps gabs schon. Nur hießen sie damals entweder noch Programme oder Application. ;)

  • Ach ja, der Tag an dem die Welt unterging :-) Ich kann mich noch gut an die Hysterie erinnern, dass nichts mehr gehen wird am Tag 1.1.2000. Der Wirtschaft und den Programmieren hat es genutzt wie auch ein paar Sekten. Wochenlang haben im Büro die Nadeldrucker gelärmt und sämtliche Konten wurden auf Microfiche abfotografiert. Damals funktionierte ja auch noch vieles analog, mit Lochkarten oder Magnetstreifen. Was wichtig war wurde ohnehin kopiert und alles doppelt abgelegt. Wir hatten reichlich Bargeldreserven und fast alle Mitarbeiter waren auf Abruf. Aber ich war mir eigentlich sicher, dass nichts passieren wird und so war es dann ja auch.

    Privat habe ich nur für reichlich Alkohol vorgesorgt, da es ja für meine Generation eine riesen Fete war.

    Einmal editiert, zuletzt von hoteisen ()

  • Ich habe dieses Wochenende beim Kunden als Bereitschaft verbracht, für den Fall das "der Bug" doch zuschlägt.

    Vorbereitet habe ich mich nicht speziell, ich wusste das nichts ernstes passieren kann.

    Ich bin lieber auf etwas vorbereitet was nie passiert als nachher überrascht da zu stehen.

  • Vorbereitet eigentlich nicht, ich hab da wohl gehofft, dass alles gut geht plus ich hatte zu dem Zeitpunkt beim Cosmos (Mediamarkt in klein) gearbeitet, hätte somit an der Quelle gesessen. Aber lustig fand ich die Geschichte, die mir ein Kollege erzählt hat, wo eine Dame im Jahr 99 noch besorgt war ob das, was sie sich kauft (ein Drucker) denn Jahr2000 kompatibel wäre oder nicht. Seine Antwort Ende Dezember: "Ja, sie brauchen sich keine Sorgen machen, der kommt eh erst nächstes Jahr." :)

  • Wir hatten im Vorfeld für all jene Bereiche, in denen die EDV ersagen könnte alternativen reaktiviert.
    Vor dem Einsatz von EDV ging es ja auch irgendwie.

    Zum Avatar wäre nur zu sagen - lang ist's her

  • Ich kann mich noch gut an den Jahreswechsel erinnern, da ich damals endlich die Intensivstation verlassen durfte. Vorbereitet hatte ich mich in den Sinne nicht. Ich war trotz Schmerzen einfach nur sehr glücklich. ;)

  • Ich bin auch in Bereitschaft gewesen. Extra drauf vorbereitet habe ich mich nicht wirklich. Irgendwie war die Befürchtung eines Blackouts damals noch nicht so gegeben.

  • Es gab damals sehrwohl PC's- sogar schon richtig brauchbare mit Pentium2/3 Prozessoren und Win98, Win2000 usw... Ich hab da dran herum geschraubt und übertaktet wie ein Wilder. Also das war schon mittendrin statt nur dabei.


    Ich war beim Jahreswechsel 13 Jahre alt und kann mich an diese sehr schöne Silvesterfeier gut erinnern. Sekt mit Goldplättchen, 2000er Brillen und am nächsten Tag die Infos, dass genau gar nichts passiert ist. :)

    Hat ja auch unzählige Simulationen auf Testsystemen gegeben, die alle positiv verlaufen sind.

    Bzgl. Vorsorge: Meine Mutter hatte auch damals schon eine Speis die nicht nur zu Anschauungszwecken diente.

    Stromausfall wäre zumindest im EFH weniger "arg" aufgefallen als heute- außer Rundfunk und Küchen-/Haushaltesgeräten hatte man im Computereck einen PC- aber sonst hat nichts Strom gebraucht.


    Das Feeling "jetzt gehts auf in eine neue Zeit" war irgendwie da- komplett Ahnungslos zu dem Zeitpunkt, wie die Gefühle in den 80er und 90er Jahren gewesen sein müssen. :P

    Gemeinsam mit den Dekaden davor ist, dass sich die hohen Erwartungen nur zu einem (eher kleineren?) Teil erfüllt haben. Es ist ja alles eine Krise, seit ich im Berufsleben bin... :D

  • Da wir traditionell den Jahreswechsel bei meinen Eltern gefeiert haben, hatte ich bei mir daheim alles vorbereitet um die Familie im Notfall zu mir zu evakuieren. Wasser und Treibstoffkanister waren aufgefüllt, ebenso die Badewanne (Brauchwasser), Heizmaterial für den Notofen lag bereit und genügend Vorräte für die ganze Familie hatte ich sowieso. Allerdings hatte ich auch Wäsche für ~2 Wochen bei meinen Eltern, da ich ihre Wohnung in Wien als alternative Bug-In Location für mich ausgerüstet hatte (incl. Kiste mit Langzeitlebensmitteln und Equipment im Keller).


    Für das Auto meiner Mutter hatte ich einen Reservekanister (Benzin, ich fahre einen Diesel) im Auto. Mehrere Fluchtrouten aus der Stadt waren geplant, falls es nötig gewesen wäre.Sogar eine Waffe (samt Munition, natürlich ungeladen und im versperrten Koffer) hatte ich damals dabei, habe das meinen Eltern aber nicht gesagt (obwohl sie natürlich wussten dass ich als Jäger Waffen besitze). Ich war jedenfalls heilfroh, dass nichts passiert ist und ich am 1. Jänner wieder ohne Probleme nach Hause fahren konnte.


    Daheim dann auch meine EDV (Netzwerk) gecheckt, alles okay. Wir hatten damals in der Firma auch nur 2 Service-Calls mit Year2000 Problemen, die hat aber mein Kollege (Bereitschaft) erledigt, ich war damals nur Backup.


    Auf einen längeren Stromausfall wäre ich damals aber nur unzureichend (Taschenlampen, Kerzen, kleiner Campingkocher) vorbereitet gewesen, das ist aber mittlerweile ausgebessert...

  • Es gab damals sehrwohl PC's- sogar schon richtig brauchbare mit Pentium2/3 Prozessoren und Win98, Win2000 usw... Ich hab da dran herum geschraubt und übertaktet wie ein Wilder. Also das war schon mittendrin statt nur dabei.

    .......

    "damals" keine PCs (im heutigen Sinn) bezog sich auf das Ende der Sechziger-Jahre. Es gab reine Texteingabe-Maschinen und Geräte, die mit einer Art Assembler (Maschinensprache) zu programmieren waren. Der Datums-Bug war daher in vielen Großrechen-Anlagen vorhanden. Zum Glück hat man richtig und zeitgerecht reagiert.

    Und da hier so viele berichten, dass ihre Firmen "Bereitschaftsdienste" organisierten, bin ich froh, dass ich 1999 nicht der einzige Schisser war, der mit einer bereitliegenden Taschenlampe Fernsehen schaute X/

    .... gibt das Leben dir eine Zitrone, mach' draus eine Limonade.

  • 2000 - vor 22 Jahren (hach bin ich alt geworden) war ich 16 Jahre alt, noch in der Schule und hatte mit Krisenvorsorge noch nichts am Hut.
    Meine Eltern hatten ein paar Vorräte im Keller. Dies war aber alles.


    Meine einzige Vorbereitung bestand darin, dass ich genügend Böller hatte für den Jahrtausendwechsel.

  • Mit 16 hab´ ich schon mit Freunden im (privaten) Wald Survival-Training gemacht (frei nach Rüdiger Nehberg).


    Werde nie die Geschichte vergessen, als einer meiner Freunde eine zappelnde Forelle am Haken hatte und meinte "was mach´ ich jetzt ?".

    Wir haben ihm dann gezeigt wie man den Fisch schnell und schmerzlos ins Jenseits befördert, ausnimmt und zubereitet. Hatten wir einige Zeit zuvor von einem Fischer gelernt, die Forellen vom Lagerfeuer haben jedenfalls phantastisch geschmeckt !


    Und ja, bin auch alt geworden, freue mich jetzt aber schon auf die Pension !

  • Hemm.. Bin ich schon so alt?? Huui!

    Ich benutzte schon damals Windows und surfte im Internet von Zuhause aus.

    Vorsorge betrieb ich damals auch schon, weil es bei uns ganz normal ist immer den Keller mit Lebensmittel voll zu haben.

    Also, es war ein ganz normaler Silvester wie alle anderen auch.

    Computerprobleme habe ich beim "Sprung" im neuen Jahrtausend auch keine gehabt ohne etwas programmieren zu müssen.

    Damals besass ich noch einen Compaq das weiss ich noch.

  • Schöne Gedankenzeitreise 👍


    Damals hatte ich einige Monate zuvor meinen ersten Job begonnen. Dort war es üblich, dass die "neuen" die doch eher unliebsamen Feiertagsdienste zum Übernehmen hatten.


    Mir würde der 1. Jänner aufgebrummt 😭

    Da war dann leider nicht viel mit feiern

    des Jahrtausendwechsels.


    Hatte damals von den möglichen Problemen zwar gehört, über Krisenvorsorge machte ich mir zu dem Zeitpunkt aber noch keine großen Gedanken.

  • Was ich noch weiß ist, dass ich 1998/99 ackern musste wie ein Gaul weil viele Unternehmen noch ihre alte Software komplett ersetzten wollten. Der Bug ist mir übrigens erst letztes Jahr bei einem öffentlich Rechtlichen Sender auf einem uralten Cobol-System noch über den Weg gelaufen. Damals hatte jedes Byte Speicher Unsummen gekostet. Dem entsprechend wurde hier gespart wo immer es möglich war. Kein Witz.

    gab es zu Silvester 1999 bei euch Befürchtungen bzw. Vorsorgemaßnahmen

    Nein, gab es bei mir überhaupt nicht. Das Problem war früh genug bekannt (oder besser: Entwicklern schon immer). Die Medien hatten es halt ziemlich aufgebauscht. Das Geldsystem bricht zusammen, AKWs explodieren, etc, etc...

  • Die Frage richtet sich vor allem auf die Oldies hier im Forum, die 1999 schon berufstätig waren: gab es zu Silvester 1999 bei euch Befürchtungen bzw. Vorsorgemaßnahmen ?

    Ja gab es, ich hab schon für die Sylvester Party, Anfang Dezember im Scout Shop alle Esbit Kocher aufgekauft und für alle Gäste drei Dosen Knorr und Inzersdorfer.


    Nachdem der Sekt weggetrunken war hat einer die Bierdosen auf der Terrasse gefunden und wir haben uns dazu die Supperln auf den Esbit Kochern aufgewärmt. Zumal meine Kumpels alle auf dem Kocher militärisch hart ausgebildet waren, war das ein schönes Erlebnis. Meine Damalige hat sich mit zwei anderen Frauen in unser Bett verzogen und so das Beste verschlafen. Als Geschenk an die Gäste gab es noch kleine blaue Blechhäferl, mit einer winzigen Bialetti haben wir auf den Esbit Kochern noch Kaffee gekocht, so um sechs Uhr herum waren dann die Letzten mit Kaffee versorgt.


    In einer Ecke hat ein leider schon verstorbener Freund auf einem IBM 80386? eine uralt Autocadversion, die mit dem Space Shuttle Wireframe das ewig zum Aufbauen brauchte, auf den Bug untersucht. Ergebnis? K.A. der Rausch hat alles ausgelöscht.


    Zehn Faltkanister mit Wasser standen auch herum und die Badewanne war mit Wasser zum Flaschen kühlen gefüllt.

    Irgendwann kaufe ich bei Amazon

  • Das war einer der Jahreswechsel, die ich nüchtern gefeiert habe. Wir hatten alle größeren Umspannwerke mit Monteurspersonal besetzt, zusätzlich wurden ortsansässige Amateurfunker gebeten, eine firmenweite Kommunikation aufzubauen. Ich erinnere mich, wie die ihre Antennen teilweise mit Stehleitern und anderen Provisorien positionierten.


    Ich bin als Meister damals am Silvesterabend alle Standorte angefahren (mit meiner Familie), habe dem Personal Würstchen gebracht und in jedem UW ein wenig Feuerwerk gezündet und mit meinen Leuten rumgeblödelt.


    Privat hatten wir seinerzeit noch keinen Stromerzeuger. Aber die sonstigen Vorräte, wie selbstgemachtes Sauerkraut, einiges an Konserven und ein voller Tiefkühler waren damals schon vorhanden.

  • Wir wohnten damals auf dem Land und hatten uns einen kleinen Stromgenerator zugelegt. Es bestand ja das Risiko des Stromausfalls , wenn Computer der Stromversrger streiken sollten.

    Und wir hatten seinerzeit nur unseren eigenen Brunnen mit E-Pumpe. Dazu dann einige Blechkanister mit Benzin ( die dann erst in den Nuller-jahren mal geleert wurden) , die ohnhin vorhandenen Dieselkanister sind ebenso wie alle Fahrezeuge vollgetankt gewesen.


    Bei der Bank eine größere Menge Bargeld geholt und vor den Feiertagen etwas mehr Lebensmittel wie sonst einkauft. Geld war da noch eher knapp.

    Eingemachtes war auch da. Kerzen und Taschenlampen bereit gestellt.


    Irgendwie ist damals schon kommniziert worden, daß ohne Strom Tankstellen, Banken und Einzelhandel nicht mehr so richtig funktionieren

  • Ich war mit meiner besseren Hälfte und einer Handvoll Freunden in der Landeshauptstadt unterwegs, um das Feuerwerk anzuschauen. Vorbereitungen hatte ich damals gar keine gemacht. Im Notfall wäre ich zu meinen oder Eltern oder den Schwiegies gefahren, da gab's immer einen vollen Tiefkühler.

    Think positive, stay negative! :)